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Eckart Meisel: Malerei











Bilder der aktuellen Ausstellung (Auszug)




Rede zur Ausstellungseröffnung

Liebe Kunstfreunde, ich freue mich dass ihr gekommen seid, das ich euch als reale Menschen vor mir sehe. Man könnte denken die letzten Jahre waren ziemlich einsame Jahre für mich. Aber merkwürdigerweise habe ich mich beim Malen nie allein gefühlt. Ich hatte ein unsichtbares Publikum. Ihr wart da als einzelne Menschen die ich kenne oder als Gruppen unbekannter Leute. In meinen Gedanken habe ich euch vor mir gesehen, und mit euch gesprochen. Ich habe euch Geschichten erzählt und versucht eure Antworten zu verstehen. Während dieser Gespräche habe ich gearbeitet. Es würde diese Bilder ohne euch nicht geben.

So sind sie entstanden, und wenn ihr jetzt davor steht, wenn ihr euch anseht was aus unseren Gesprächen geworden ist, dann erinnert ihr euch vielleicht an den Maler dem Hemd und Hosen vor Ölfarbe starr waren wie eine Ritterrüstung aus dem Mittelalter. Ihr erinnert euch vielleicht an seine merkwürdigen Ansichten, an seine steinzeitliche Art zu denken. Für ihn ist die Erde eine Scheibe. Die Sonne ist eine schöne Frau die abends im Meer verschwindet und die Sterne sind die Kinder des Mondes. Wenn es schneit schaut eine schreckliche Frau aus einem Fenster im Himmel. Zwei goldene Menschen reiten auseinander auf goldenen Pferden. Jemand blickt in den Spiegel und erkennt, dass er in Wirklichkeit ein Kater ist.

Was habe solche Ideen in dieser Zeit zu suchen. Es ist ja eine durch und durch geordnete Welt in der wir leben. Wir vertrauen den Behörden. Wir vertrauen den digitalen Geräten. Wir vertrauen der wissenschaftlich bewiesenen Realität. Das sichert unser Wohlergehen. Das sichert unsere Seelenruhe. Das denken wir. Das glauben wir.

Warum habe ich mich in dieser rationalen Zeit ausgerechnet dem Überkommenen gewidmet, dem was naiv und kindlich zu sein scheint. Warum lasse ich Mythen und Märchen zu euch sprechen. Es wäre doch viel naheliegender sich der Realität dieser Zeit zu widmen, den Bildern der aktuellen Gegenwart. Warum stelle ich mich nicht in die Tradition derer die auch die finstere Seite der Zivilisation zeigen, wie Picassso mit seinem Bild Guernica, wie Goya, der den Schrecken der religiösen Kämpfe zeigt, der berichtet vom Sadismus der Inquisitoren, oder wie Hans Grundig, der uns das Grauen der moderneren Kriegführung vor Augen hält.

Diese Frage hat mich während meiner Arbeit sehr bewegt, zumal seit langem erkennbar ist, auf welche mythologische Katastrophe wir zusteuern, von schlimmen Händen geführt.

Was uns zu wirklichen Menschen macht, was uns zur Menschlichkeit befähigt, ist nicht die Raffinesse immer neuer Technologien. Es ist unsere geistige Welt. Es ist die Verbindung zu unsere Vergangenheit, es ist die Überlieferung der Mythen, der Märchen, oder der religiösen Texte. Diese Geschichten ruhen in unserer Seele ob wir es wissen oder nicht. Mitunter spüren wir das, wenn uns eine Zeile aus einem alten Text besonders berührt. Wir sind ergriffen, weil da etwas in uns angesprochen wird, etwas zum klingen gebracht wird, was wir schon immer in uns getragen haben.

So war es das scheinbar Überlebte, es waren die Märchen selbst die mir die den Weg gewiesen haben. Es war das Vertrauen in ihre Wahrheit, das mich dazu bewegt hat das Alte wieder an den Tag zu holen, es durch die Kunst weiter leben zu lassen.


13.5.2022 E.M.