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Der sinkende Petrus



Die Geschichte vom sinkenden Petrus ist keine Wundergeschichte. Sie ist ein Gleichnis.

Es ist das Selbst - der innerste Wesenskern eines Menschen, das da auf dem Wasser des Unbewußten einhergeht. Das bedeutet, dass dieses Selbst ins Reich des Bewußtseins gelangt ist.

Das Selbst ist kosmischer Natur. Es ist der Anteil unseres Inneren der mit dem Universellen verbunden ist, es ist nicht trennbar vom Unendlichen, Zeitlosen, es kennt den Begriff des Todes nicht. Wenn es in der Genesis heißt „ der Geist Gottes schwebte über der Urflut“ ist dieser Geist Gottes der gleiche Geist wie Jesus, der auf dem See Genezareth geht. Es handelt sich um die gleiche Erscheinung in der Zeitlosigkeit.

Unter normalen Umständen ist dieses Selbst tief im Unbewußten vergraben. Die wenigsten Menschen wissen überhaupt von seiner Existenz. Tritt es doch einmal zutage, steht es im Widerspruch zum Alltagsdenken. Die Erkenntnis der Zeitlosigkeit, des Nichtvorhandenseins des Todes, der Einheit aller Dinge und allen Bewußtseins ist aus Sicht des normalen menschlichen Denkens ein Tabubruch, ähnlich den modernen Erkenntnissen über merkwürdige Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung im Bereich des Kleinen oder die Beziehung zwischen Raum und Zeit im Bereich des Großen.

Die Folge eines unvorbereiteten Tabubruchs ist das Gefühl der nackten Angst. Daher kann das Selbst surreal und gespenstisch erscheinen, wenn es unversehens in den Bereich des Bewußten gelangt. So ist es schlüssig, dass die Jünger sich nicht auf den Kontakt mit der Erscheinung Jesu einlassen und lieber gemeinsam im sicheren Boot ihrer Alltagserfahrung verharren. Einzig und allein Petrus wagt es, sich den Gedanken, die das Erleben des Selbst mit sich bringt anzuvertrauen. Es ist die Erkenntnis, dass die Gedanken die das Erleben des Selbst mit sich bringt schlüssig und folgerichtig sind. So ist es mehr als der Glaube, der ihn ein paar Schritte auf dem Wasser gehen lassen. Es ist die Gewissheit.

Natürlich muss er nach ein paar Schritten versinken. Petrus ist Mensch, nicht der Archetypus bzw. die Gottheit selbst.



Vor der Erleuchtung
Holz hacken und Wasser schleppen,
Nach der Erleuchtung
Holz hacken und Wasser schleppen.

Weisheit des Zen-Buddhismus










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