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Es ist etwa ein Jahr her, als mir der Gedanke nahegebracht wurde, mich mit der Religion der Christen zu befassen.

Ich bin kein religiöser Mensch, sondern ein Künstler.

Meine Fragen die sich mir im Zusammenhang mit dem Christentum stellten, führten mich deshalb nicht in eine Kirche. Sie führten mich in mein Inneres, in meine Seele. In der Seele des Menschen liegt die Quelle der Gewissheit. Die Seele hat das Paradies nie verlassen. Sie kennt die Antworten auf alle Fragen, denn sie ist ein Teil Gottes und ist auch zu unseren Lebzeiten untrennbar mit ihm verbunden. Doch der Zugang zu dem Wunderbaren, das wir in uns tragen, ist nicht immer einfach. Wie die Türen der Kirchen ist die Tür zu uns selbst oft verschlossen. Wir sind wie schlechte Priester, die den Schlüssel verlegt haben, oder zu faul sind aufzuschließen. Oft ist es auch Furcht die uns abhält, den Tempel in unserem Inneren zu betreten. Möglicherweise liegen dort unter Staub und Spinnweben unbeerdigte Leichen herum. Es scheint daher einfacher zu sein, unser Verlangen nach wirklichem Leben außerhalb von uns selbst zu stillen und uns den Ritualen einer Religion anzuvertrauen.

Doch die Überlieferungen einer Religion, besteht nicht nur aus Riualen. Sie enthält auch Berichte über Menschen, die die Quelle des Lebens erblickt haben, die sich mit Gott auf du und du standen, oder selbst zu Gott wurden. Ihre Erlebnisse sind so überwältigend und von solcher Tiefe, dass sie nur als Analogien oder Gleichnisse wiedergegeben werden können. Oft wurden sie weitergegeben von Menschen, die den Inhalt der Berichte selbst nicht verstanden. Sie wurden missbraucht und auf jede nur denkbare Weise verfälscht und verdreht. Wer diese überlieferten Geschichten hört, ohne von der Quelle in seiner eigenen Seele zu wissen, muß an ihrer Wahrheit zweifeln.

Als ich begonnen habe zu malen, habe ich versucht die biblischen Geschehnisse mit meinen inneren Bildern in Einklang zu bringen. Wie alte verwitterte Wegweiser standen die Geschichten vor mir. Oft mit unleserlicher Aufschrift, gekennzeichnet mit schwer deutbaren Symbolen. Oft verdreht in schlechter Absicht oder aus Dummheit. Doch ist der Weg noch erkennbar, der zur Quelle führt, zum Wasser, das die erstarrten Figuren der alten Geschichten zum Leben erweckt.






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