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Die Märtyrer



Die alten realistischen Darstellungen der Leiden der Märtyrer scheinen mir eine Warnung der Mächtigen zu sein. Vielleicht ist es doch besser nicht immer der eigenen Überzeugung zu folgen, und mitunter besser den Kopf einzuziehen als ihn sich abschlagen zu lassen. Möglicherweise bietet der Opfertod der Märtyrer dem Gläubigen ein Alibi in entscheidenden Situationen des Lebens zu kneifen.

Die Märtyrer beziehen ihren Todesmut jedoch nicht aus einer Überzeugung. Eine Überzeugung ist zwar oft alltagstauglich aber letzten Endes immer in irgendeiner Form einseitig und damit fragwürdig. Der tiefere Grund für den Mut der Märtyrer ist das Erleben des eigenen Selbst als Einheit mit der Gottheit bzw. dem Universellen. Das was dem Glauben zugeordnet war, wird damit zum Wissen. Dieses Erlebnis zu verleugnen, wenn es einmal stattgefunden hat, ist in letzter Konsequenz unmöglich. Wiederum stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, am Leben zu bleiben und Wege zu suchen dieses Wissen zu teilen.

Alles in allem bleiben die Märtyrer bzw. das Märtyrertum eine Thema voller Widersprüche und offener Fragen. Ich bin daher der Tradition gefolgt, die Märtyrer im Zustand ihres Leidens als höchst lebendige Menschen darzustellen.




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