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(Rede zur Ausstellungseröffnung bei Hewlett Packard 1996)

Diese Ausstellung aufzubauen hat drei Tage gedauert. Der Text den ich Ihnen vorlesen werde stand für mich am Anfang dieser Arbeit. Er war mir ein Halt, eine Begründung, Ihnen diese Bilder zu zeigen, die ein Stück meines Lebens sind, ein Teil meiner selbst.

Während ich meine Bilder aufhängte, spürte ich hinter der Fassade der weißen Hemden der Mitarbeiter schüchternes Interesse, entdeckte hinter einem Spiegel versteckt, die Schuhe einer Kollegin, und auf diesem Spiegel tatsächlich eine lebendige Fliege. Es wurde mir erlaubt, Nägel in die Büromöbel zu schlagen und so begann das, was meine Arbeitshypothese war, zu schmelzen wie eine Eisscholle die langsam in wärmere Gewässer treibt. Dieser Text - er stand am Anfang meiner Arbeit - er ist zum Abschluß geworden. Er war eine Behauptung - verstehen Sie ihn jetzt als eine Frage.Räume wie diese sind mir fremd, so fremd, daß ich fast glauben möchte, daß es andere Menschen sind als ich, die hier arbeiten - anders im Handeln, anders in ihrem Denken. Auch die Kaffeemaschine und die Topfpflanzen, die Alarmanlage und die Aschenbecher können mich nicht darüber hinwegtäuschen - keine Katze würde hier freiwillig leben. Jedoch - die weise Geschäftsleitung hat beschlossen, es regnen zu lassen in der großen Wüste Gobi. Genaugenommen sind nur ein paar winzige Tropfen Tau gefallen auf die glühenden Steine. Aber das hat bereits ausgereicht - die Sandflöhe haben sich verkrochen für kurze Zeit und der Indianer ist erschienen. Er hat das Risiko auf sich genommen einen Abend lang das Outback zu besuchen, vielleicht um eine neue Lebensform zu entdecken, eventuell sogar eine winzige Oase zu finden. Hoffen wir, daß er sich nicht verirrt außerhalb seines Reservates, daß er nicht auf einen Skorpion tritt oder eine Schlange. Und beten wir, daß er sich zu benehmen weiß in der Fremde und keinen ahnungslosen Schläfer versehentlich skalpiert. Seine Trophäen und Amulette hat er mitgebracht, denn er ängstigt sich vor dem Unbekannten dem er gegenübertreten will. Doch für einen für kurze Zeit hat er seine Maske hat er abgenommen, denn er muß genau sehen können was er zu verstehen versucht, was ihm unbegreiflich erscheint. So wie er gekommen ist wird er bald wieder verschwunden sein. Spätestens wenn die Maschinen angeschaltet werden, wenn die Armee sich in Marsch setzt wird klar - dies ist nicht sein Gebiet und das Einzige was er vielleicht mitnehmen kann ist eine schwache Erfahrung, eine Ahnung von dem, wonach hier im Sand gewühlt wird Tag für Tag. Seine Spuren werden noch eine Zeit lang bestehen bleiben. Auch wenn die Hoffnung gering ist, daß jemand kommen wird, der sie lesen will, erinnern sie doch an die Begegnung zweier Welten in der Zeit der Dämmerung an der Grenze zwischen Tag und Nacht.

E.M.

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