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Zur Eröffnung der Ausstellung "auf Flügeln" bei Jürgen Pietsch in Spröda



Zum dritten mal auf Flügeln - die Muse hebt ab und wir sehen ängstlich dem Kondensstreifen nach - wo wird sie einschlagen? Was haben die Künstler ausgebrütet um uns Ahnungslose zu erfreuen oder zu überrumpeln - was haben sie in ihren Dunkelkammern ausgekocht, in ihren undurchsichtigen Köpfen sich ausgedacht. Mit welcher Absicht ihr Publikum angelockt. Wir wissen es noch nicht genau. Aber ein gutes Publikum ist mutig und es hat ein dickes Fell. Es wird uns schon nicht auf die Bretter hauen - wir werden es überleben. Und falls uns etwas allzu spanisch vorkommt sind wir im Vorteil - wir dürfen die Künstler fragen nach dem Sinn ihrer Arbeit, nach ihrer Stellung in der Gesellschaft und nach der Funktion der Kunst heutigentags. Spätestens dann sind sie geliefert- spätestens in diesem Moment - so lehrt es die Erfahrung - werden die Damen und Herren Künstler ins Schwitzen Kommen und unsolide Auskünfte geben. Und wenn einer dabei ist der nicht ins Schleudern gerät ist er nicht echt- haha- kein Künstler erster Qualität sondern ein abgebrühter Routinier - ein Gauner der es womöglich auf unseren intimsten Teil abgesehen hat - ein Ferkel das unser Portemonaie anfassen will. Aber so schlecht wäre es doch auch wieder nicht genaueres über das Innenleben der Künstler zu erfahren - wie funktioniert so ein begnadetes Gehirn ? Warum schnuppert der Künstler freiwillig am Wahnsinn - warum zupft er den Tiger am Schwanz? Ist es überhaupt sinnvoll sich mit Kunst zu befassen. Fragen so alt wie die Kunst selber und so ist es sinnvoll die Antwort in der Steinzeit zu Suchen. Damals gab es eine klare Aufgabe für die Künstler - die Zauberei war ihre Hauptarbeit. Wer jemanden erledigen wollte, gab einfach eine Holzfigur in Auftrag und haute dann mit dem Hammer drauf. Damit war das Problem gelöst. Wollte jemand eine schöne Frau erobern - er ging zum Künstler, der machte ordentlich Musik und bevor der letzte Ton verklungen war saß die schöne Frau schon auf dem Sofa. Das ging Tausende von Jahren so. Die Künstler hatten ihr Auskommen, und brauchten nicht über den Sinn ihrer Arbeit nachzugrübeln. Über komplizierte künstlerische Probleme brauchten sie sich nicht den Kopf zu zerbrechen, den alles war schon Tausendmal gemacht worden und immer erfolgreich gewesen. Aber die Zeiten sind härter geworden, Will man heutzutage jemanden erledigen gibt es tausend Wege das zu tun - ganze Institutionen warten auf einen Auftrag - aber zum Künstler wird bestimmt keiner gehen. Will man eine schöne Frau erobern, Tausend Sachen kann man ihr kaufen - zum Selbstfindungskurs kann man gehen, jede Wochenzeitschrift gibt ihren Senf dazu. Aber was kann die Kunst einem dabei helfen? So erscheinen die Künstler heutzutage als nutzlose Bande, ein versprengtes Volk, das sich sein Brot mühsam zusammenorganisieren muss oder in künstlichen Nischen von der gehobenen Gesellschaft gehätschelt wird - wenn sie schön brav sind. Damit so scheint es - könnte es schon erwiesen sein - die Künstler sind nicht ganz richtig im Kopf. Denn warum Treiben sie einen Beruf der doch so nutzlos scheint. Was springen sie hier in der Gegenwart herum, in einer Gesellschaft in der sie nichts verloren haben. Deprimierende Fragen, die die Realität mit sich bringet die die Realisten stellen und denen die Künstler immer wieder geschickt auszuweichen versuchen. Denn sie sind geblieben was sie schon immer waren. Ernste Schamanen Zigeuner, Kasperköpfe - sie haben etwas gelernt in den Jahrtausenden in denen sich der Geist gegen die Idiotie verteidigt - eine Fähigkeit die vielen Leuten mehr und mehr entgleitet haben sie aufrecht erhalten - die Fähigkeit den Spieß umzudrehen - die muffigen Fragen zurückzugeben die an sie gestellt werden - Die Kunst das rote Tuch vor der Nase der dicken Kuh zu schwenken und sie, wenn vielleicht nicht gleich zu erledigen, so doch ihr bunte Fähnchen in den Buckel zu pieken und sie beim ewigen Wiederkäuen zu stören, und uns so den Spiegel vorzuhalten - den Spiegel, der zugleich ihr Schild ist. E.M.

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