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dunkelheit herrscht

doch blinken sieben rote dioden

wie ein diadem am haupt des bischofs bienenhonig.

nach billigem glühwein riecht sein atem

und erfüllt mit nelkenaroma die heilige zelle.

ein blatt papier hält der bischof in seiner hand

rythmisch leuchtet es auf,

in der farbe der untergehenden sonne.

Und er, der sonst so gesprächige,

las was da stand, mit gläubigen augen

und er sagte kein wort.


Buddha butter fragt:

lieber bischof

was steht auf diesem papier

das du ansiehst, mit gläubigem blick?

Ist es die frohe botschaft der heiligen nacht

die dein rotes diadem so glutvoll beleuchtetet?

lies sie mir vor

die bezaubernden worte der liebe.

lange habe ich es nicht mehr vernommen,

das lied des lebendigen alls.

das wunderbar schimmernde

das unaussprechlich schöne zu sehen,

fehlt mir schon ewig.


Doch bischof bienenhonig antwortet nicht.

Aus seinem sessel erhebt er sich und geht an die wand

an der der zähler befestigt ist, für den elektrischen strom.

eine plombe hängt vor dem sicherungskasten.

Rot leuchtet auch sie im takt der dioden

wie ein lebendes herz.


Da begreift buddha butter

die botschaft des blattes papier.

und er, der sonst so stille,

spricht mit kräftiger klarer stimme:

einen frage ist in wahrheit

der inhalt der botschaft.

meine antwort darauf,

sie ist keine rede,

es ist eine tat.

bischof bienenhonig -

nimm diese nadel aus meinem gewand

nimm die zange aus deinem werkzeugkasten

in das kabel unter dem zähler bohrst du die nadel hinein.

Daran knotest du mit vorsicht die leitung.


Und bischof bienenhonig

nimmt die eiserne zange mit den griffen aus gummi

und packt damit die bronzene nadel.

die schlange mit den drei türkisenen augen greift er

und er bohrt sie tief in die ader.

da floss der unterbrochene strom.


Und buddha butter, der kluge, er sprach:

das licht können wir nicht einschalten

man würde von draussen sehen

was hier drinnen geschah.

doch lebendig bleibt

nur das unbemerkte.

aber hochladen will ich

die gedanken des bischofs

für den monat DEZEMBER.

Und im ofen versteckte buddha butter die botschaft

die bischof bienenhonig in seiner hand hielt

und der rauch trug den duft brennenden harzes

hinaus durch den schornstein.



Bischof bienenhonig, dezember 2011:




der beamte des himmels asessor tschang spricht:

seit ewigkeiten

versuchst du die kultur der menschen zu verstehen.

Dabei wäre das ganz einfach.

Du brauchst nur zu akzeptieren,

dass es verschiedene arten von menschen gibt.

Es gibt längst fleischfresser

und beutetiere unter ihnen.

Schon immer

hatten ihre horden

brutale anführer

und dämliche untergebene.

Darin liegt der schlüssel

zum verständnis der menschlichen zivilisation.


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

das habe ich schon oft gehört.

die dämlichen und die brutalen

behaupten, das es sich so verhält.


der beamte des himmels asessor tschang spricht:

sie haben sich darüber

schon in grauer vorzeit geeinigt.

Was dich in wahrheit beschäftigt

ist die frage

nach deinem platz

in diesem system.

Um ein ordentliches schaf zu sein

bist du nicht dumm genug.

Und es fehlt dir die gier der wölfe.



...der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

das ist wahr.

ich bin weder wolf noch schaf.

Doch ich habe gelernt aus totem holz

das feuer hervorzurufen

ich verstehe es spuren zu lesen

und ich kenne die rituale,

die notwendig sind,

um die sie seelen der getöteten tiere zu versöhnen.

Schafsfelle sind mein nachtlager

und aus der haut der wölfe

mache ich mir schuhe.



der beamte des himmels asessor tschang spricht:

bei der begegnung

von vergangenheit und zukunft

entsteht der schein der gegenwart.


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

Diese behauptung kommt mir bekannt vor.



der beamte des himmels asessor tschang spricht:

das wundert mich nicht.

Wahrscheinlich ist sie schon sehr alt

denn sie ist das ergebnis einfacher überlegungen.




der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

eine fremde wahrheit ist ein ballon

aufgeblasen mit geborgten gasen.

er wird dich nach oben tragen

aber du wirst ein spielball

der winde anderer leute sein.

Eine wahrheit, die du selbst gefunden hast

ist ein stein in deiner tasche.




der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

einen spiegel brauche ich,

um meine gesicht zu sehen

zwei spiegel brauche ich

um mich von allen seiten zu betrachten.

Um ich selbst zu sein

muss ich alle spiegel von mir werfen.



der beamte des himmels asessor tschang spricht:

du redest oft vom universum,

das erinnert mich an menschen

deren jedes zweite wort gott ist.

gott ist etwas

von dem man nicht sagen kann, was es ist.

Wenn dieses wort oft verwendet wird,

ist das ein sicheres zeichen

das irgend etwas verschleiert werden soll.



der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

das liegt daran, dass gott

ein begriff ist, der nicht definiert werden darf.

So ist er ein sicherer vorwand

um alles mögliche damit zu begründen.

Zum beispiel der einbruch in eine gartenlaube,

eine gehirnwäsche

eine steinigung

oder ein krieg.

Das wort universum zu benutzen,

bedeutet auf der suche nach der wahrheit zu sein,

statt etwas verschleiern zu wollen.

ich habe noch nie davon gehört,

dass jemand seine nachbarn erlegt,

mit dem hinweis auf das universum.


der beamte des himmels asessor tschang spricht:

Es scheint einen wesentlichen unterschied zu geben

zwischen den begriffen

gott und universum

obwohl beide das unendliche bezeichnen.


herr frege (gartenzwerg a.d.):

wenn jemand in meine laube einbricht,

darf ich ihn mit der axt erschlagen.

dazu brauche ich nicht religiös zu sein.


polizeihund 110

::::

das dürfen sie nicht selbst tun.

Es ist aufgabe der behörde,

den einbruch strafrechtlich zu verfolgen.

Vergessen sie nicht,

das sie ihr gartengrundstück

nur gepachtet haben.



polizeihund 110

:::Was haben sie für ziele, herr fang?


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

ich habe keine ziele.

Ich versuche lediglich

den ort, an dem ich mich befinde

besser kennen zu lernen.



polizeihund 110

das verstehe ich nicht.

Jedes wesen hat irgend ein ziel.

mein ziel ist es,

alle verbrecherischen hasen dieser welt

dingfest zu machen.


herr frege (gartenzwerg a.d.):

ich verstehe oberinspektor fang

auch ich habe kein ziel.

wenn ich in meinem garten einen brunnen grabe,

bleibe ich immer an der gleichen stelle.

Wussten sie übrigens

dass man in brunnen

äpfel finden kann?



der beamte des himmels asessor tschang spricht:

das wundert mich nicht.

In brunnen findet sich alles mögliche.


polizeihund 110

personen die behaupten keine ziele zu haben

und einfach nur so herumstehen

sind verdächtig.

Ich werde einen durchsuchungsbefehl

für herrn freges brunnen beantragen.



der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

wer alles weiß

braucht nichts zu sagen

wer nichts weiß

hat nichts zu sagen

das schweigen verbindet

die wissenden mit den unwissenden.


der beamte des himmels asessor tschang spricht:

das klingt beeindruckend.

aber um die klappe zu halten

müssten die unwissenden zunächst wissen

dass sie unwissend sind.

Damit würden sie keine unwissenden mehr sein.


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

ich gebe es auf

nach einem ruhigen platz zu suchen.

Es gibt ihn nirgendwo.




polizeihund 110

.

..ich liebe die ordnung.

Nichts macht mir mehr freude als meinen spind aufzuräumen

dieser spind ist eine kleine welt für sich.

Rechts hängen der schutzanzug

und meine kugelsichere weste

unten steht mein futternapf

und auf der linken seite

sind drei fächer mit verschiedenen

hundegeschirren und halsbändern

auf die innenseite der tür

habe ich ein wunderbares poster geklebt.

Es zeigt einen reinrassigen schäferhund beim bodybuilding

er heisst armin vom rheingau

und wiegt 48 kilo

ich träume davon

ihm einmal vorgestellt zu werden

und hätte gern ein paar süsse welpen von ihm.

Dann gibt es noch ein kleines schließfach

in dem ich meine persönlichen dinge aufbewahren darf.

Eine herzförmige rote blechmarke

die mir mein hundeführer geschenkt hat

ein paket dauerhundekuchen

und eine locke von meiner mutter

ausserdem ein abschiedsbrief für meine angehörigen

falls ich bei einem einsatz mein leben opfern sollte.

wenn alles an seinem platz ist

kann nichts verloren gehen

und ich fühle mich sicher und geborgen.


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

er ist ein total armes schwein.


der beamte des himmels asessor tschang spricht:

sie ist das glücklichste wesen das ich kenne.

..............


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

warum hat sie das katzenfell nicht erwähnt,

mit dem sie ihre schuhe putzt ?


der beamte des himmels asessor tschang spricht:

die motten waren drin.

sie hat es weggeworfen.


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

sie muss tatsächlich sehr glücklich sein.



der beamte des himmels asessor tschang spricht:

seit wann interessierst du dich für geld ?

Als himmlisches wesen

brauchst du keine nahrung

und kein haus

du bist nicht für deine kinder verantwortlich

und brauchst keine versicherung

von einer rente ganz zu schweigen


...der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

geld ist eine rätselhafte substanz

es interessiert mich

weil es abstrakt ist

und in wahrheit nicht existiert.

trotzdem streben alle danach

soviel wie möglich davon zu besitzen.

Geld gibt es nur deshalb,

weil alle an seine existenz glauben.

darin ist es mir ähnlich.

geld interessiert mich, weil es mir hilft

mich selbst zu erkennen.



der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

denken macht einsam.

(am besten, Sie fangen damit gar nicht erst an.)



der beamte des himmels asessor tschang spricht:

du lachst zu oft.

deine geschäftspartner haben

deshalb kein deshalb vertrauen zu dir.

Denn sie pflegen zu lachen

wenn ein anderer schaden erleidet.

Wenn du lachst,

wittern sie betrug.


der beamte des himmels oberinspektor fang spricht:

Die gabe des lachens habe ich angenommen,

um mich der wahrheit nähern zu können.

Würde es mich verlassen,

beim anblick des grauens,

wäre es um mich geschehen.

um sich mit ernsten dingen zu beschäftigen

und ihnen auf den grund zu gehen,

ohne dabei schaden zu nehmen,

braucht man ein heiteres wesen.



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